Startseite

  Wir über uns

  Neuigkeiten

  Kalender

  Bildergalerie

  Jugendseite

  Training

  Mannschaften

  Vorstandschaft

  Mitgliedschaft

  Datenschutz

  Historie

  Satzung

  Sitemap

  Links

  Impressum




Ein kurzer Abriss der Vereinsgeschichte
Im Jahr 1910 gründen zehn Tennisfreunde ihren eigenen Verein

Die Damen in langen Röcken, in weißen Blusen mit schicklich bis zum Handgelenk reichenden Ärmeln, die Herren in langen Hosen, mit weißem Hemd und Krawatte. In den Händen halten sie auf dem großzügigen Platz die Schläger aus Holz, bei allzu praller Sonne bedecken Strohhüte die Häupter der Spieler. So erleben Flaneure in den Traunauen gleich hinter dem mächtigen Eisenbahnviadukt die ersten Stunden des Tennissports in Traunstein. Doch die Einheimischen selbst sind anfangs auf dem noblen Court, wie es damals heißt, gar nicht erwünscht, sie müssen sich auf dem engen und auslauflosen Platz am Wolf-Kurhaus im Stadtzentrum abplagen. Die Anlage am Viadukt stellt der Kurverein ausschließlich für die Sommerfrischler bereit.

Gestiftet hat den Platz der Augsburger Fadenfabrik-Besitzer Schürer, der auch in Traunstein nicht auf seinen Lieblingssport verzichten möchte. Den ersten Platz des späteren Tennis Club Traunstein stiftet also ein Schwabe, für die Gründung des Vereins sorgt maßgeblich eine Pfälzerin. Fräulein Fleischmann, Konsistoralratstochter aus Kaiserslautern, findet nämlich auf dem noblen Platz am Viadukt keine Partnerinnen, weil der unerbittliche Kurverein die Traunsteinerinnen dort nicht spielen lässt. Deshalb stachelt sie die jungen Traunsteiner, allen voran die Geschwister Trost, so lange auf, bis sie sich im Jahr 1910 zur Gründung eines Vereins entschließen. Gespielt werden soll auf dem Platz am Viadukt, auch wenn sich der Kurverein immer noch windet und bei der Suche nach einem Vorstand keineswegs behilflich ist. Daran droht die Gründung noch zu scheitern, doch wieder kommt die entscheidende Unterstützung von außen, diesmal allerdings aus dem nur wenige Kilometer entfernten Trostberg. Dort spielen die leitenden Mitarbeiter der Chemiefabriken längst auf ihrem eigenen Platz, und diese sind es auch, die ihren Freund und Juristenkollegen, den Traunsteiner Assessor Börner, überreden, sich als Gründungsvorstand zur Verfügung zu stellen. Man kann jedoch mit gutem Grund annehmen, dass auch hier eine engagierte Frau ihren Anteil hatte, die Gattin des Assessors ist eine leidenschaftliche Tennisspielerin.

Fräulein Fleischmann sorgt für die richtigen Satzungsunterlagen und am ersten Augustsonntag im Jahr 1910 treffen sich etwa zehn Entschlossene im Traunsteiner Hof, um den Tennis Club Traunstein zu gründen. Am Abend selbst gibt es noch eine letzte Hürde zu überwinden: Assessor Börner stellt klar, dass er zwar das Amt, nicht aber die Arbeit eines Vorsitzenden übernehmen will. Erst als Centa Trost, die kommenden 30 Jahre die Seele des Clubs, einspringt und verspricht, die Geschäfte zu führen, nimmt Börner die Wahl an.

Schnell finden die ersten Freundschaftsspiele in Trostberg statt. Während die Herren schon damals mit kraftvollem Spiel überzeugen wollen, sollen „die Damen fast durchwegs ein sehr weiches, graziöses Spiel“ gezeigt haben, heißt es in einem Bericht aus der Zeit. „Es wäre unschicklich gewesen, wenn eine Dame gesprungen wäre oder die Angabe von oben mit gestrecktem Körper vollzogen hätte.“ Sommer wie Winter treffen sich die Mitglieder zu Clubabenden, daneben werden Wanderungen oder Bergausflüge organisiert. Unterstützung erhält der Verein immer noch durch Sommerfrischler, so ist es Fräulein Fleischmann zu verdanken, dass die Anlage auf zwei Plätze erweitert werden kann. Der Clubbeitrag im Jahr 1912 beläuft sich auf 15 Mark. Mit dem Beginn des 1. Weltkriegs endet die erste kurze Blütephase des Tennis Club Traunstein. Der Spielbetrieb ist eingestellt, mindestens zwei Mitglieder kommen aus dem Krieg nicht mehr zurück.

Zehn Jahre liegen die Plätze verwaist, bis 1924 wird nicht gespielt. Die verwilderte Anlage gleicht mehr einer Wiese als dem grauen Sandcourt, auf dem damals üblicherweise gespielt wird. Etwa 25 Spieler entschließen sich zehn Jahre nach dem Beginn des 1. Weltkriegs, den Verein wieder zu beleben. Geld ist keines mehr in der Clubkasse, also werden die Mitglieder einfach zu einer Spende von mindestens 3,50 Mark verpflichtet. Das reicht, um den Spielbetrieb wieder aufzunehmen, zahlreiche neue Mitglieder werden in den kommenden Jahren gewonnen.

In den Herbst 1933 wird die Anlage an das Wasserleitungsnetz der Stadt angeschlossen, bis dahin haben zwei Männer mit einer Handpumpe Wasser aus dem Mühlbach heraufgeholt. „Nun wurde harte Gemeinschaftsarbeit der männlichen Mitglieder geleistet, während die Damen für das leibliche Wohl der schwer Arbeitenden sorgten“, heißt es in einem internen Bericht. Doch nicht nur körperliche Leistung ist schon damals gefragt, auch finanzielles Engagement: Die Kosten der Wasserleitung von 440 Reichsmark werden ausschließlich durch Spenden der Mitglieder gedeckt. Sogar die Getränkekasse aus den Vereinsabenden muss zur Bezahlung der Wasserleitung herhalten: „Auch der Gewinn der Tarock- und der Tischtennisabende bei Pirkl wurde zur Verfügung gestellt.“



Die Verbesserung der Anlage kommt auch dem sportlichen Betrieb zugute. Zu Beginn der 1930-er Jahre nimmt der TCT bereits an den Verbandsspielen teil. Die Gegner kommen unter anderem aus Berchtesgaden, Burghausen, Reichenhall, Rosenheim, Töging und aus Garmisch-Partenkirchen vom SC Rießersee. Siege und Niederlagen halten sich in etwa die Waage. Was nun dem Verein vor allem fehlt, ist ein eigenes Clubhaus. Denn die teilweise von weither angereisten Gegner finden am Viadukt „kein Closett und keine Gelegenheit zum Umkleiden“. Es ist wieder einmal Centa Trost, die eine aufopferungsvolle Lösung anbietet: Sie stellt dem TCT zwei Zimmer in ihrer Wohnung in der Wasserburger Straße zur Verfügung. Im Herbst 1935 wird dann das erste Clubhaus fertig gestellt, die Kosten von 405 Reichsmark spenden 18 Mitglieder. Im Jahr 1937 wird Franz Miehler neuer Vorsitzender, er wird bis Mitte der 60-er Jahre an der Spitze des Vereins bleiben. Im Jahr 1939 zählt der Club nur noch 18 Mitglieder, da schon viele junge Spieler zum Militärdienst eingezogen worden sind. In den 1940-er Jahren gibt es nur noch jugendliche Spieler, bis der Betrieb schließlich zum Erliegen kommt.

Im Gegensatz zur Zeit nach dem 1. Weltkrieg wird der TC Traunstein sofort nach dem Ende des Kriegs wieder belebt. Schon 1945 treffen sich die ersten Tennisfreunde wieder auf der Anlage am Viadukt. Im Juni 1946 wird der Erdaushub für einen dritten Platz bewältigt, weshalb auch das Clubhaus verlegt und parallel zum neuen Platz gedreht werden muss. Das Jahr 1948 beginnt für den TC Traunstein dann mit einem Rekord: Die Saison wird bereits am 10. Januar (!) eröffnet. „Es wurde auf dem schneefreien, aber gefrorenen Platz gespielt“, schreibt ein Zeitzeuge. Von 18. März an ist die Anlage dann im Sommerbetrieb, im April 1948 kann der vorwiegend in Gemeinschaftsarbeit errichtete dritte Platz bespielt werden. Die Rekordsaison endet erst am 5. November 1948. Nur gut sechs Monate später steigt die erste Herrenmannschaft, die bis heute an den BTV-Meisterschaften teilnimmt, in die Verbandsrunde ein. Am 26. Mai 1949 verlieren die Traunsteiner gegen Rosenheim mit 0:9.

Daneben prägen die beginnenden 1950-er Jahre zwei große Probleme: Das Fehlen jeder sanitären Anlage wird durch den Einbau einer Toilette und den Anschluss an die Kanalisation gelöst, der Streit um die Zufahrt über die eigentlich für die nun wieder aufkommenden Automobile gesperrte Straße und die Parksituation eskaliert dagegen. Die Stadt wird bereits 1951 ersucht, die Zufahrt frei zu geben. Sieben Jahre später gibt es immer noch keine Genehmigung für die Zufahrt, dafür aber deutliche Worte vom erbittertsten Gegner aus dem Stadtrat in Richtung des TCT-Vorsitzenden Miehler: „Ein hinterfotziger Kerl und ein Lügner“ sei Miehler, so wird der Stadtrat im Jahrbuch des TCT zitiert. Die Genehmigung kommt im Jahr 1959, sie gilt bis heute.

Gespielt wird eifrig, der Druck auf die vier Plätze ist enorm. Zumal in diesen Zeiten durch Bällesammeln keine Kräfte vergeudet werden, dafür gibt es Ballkinder, für die der Verein sogar eine eigene Versicherung abgeschlossen hat. Doch wenn sich ein Spieler den Buben und Mädchen allzu sehr erkenntlich zeigt, ist das gar nicht gerne gesehen, einige verderben offenbar so sehr die Preise, dass sich der Verein zum Einschreiten genötigt sieht. Man bitte darum, „bei der Entlohnung der Ballkinder daran zu denken, dass weniger gut Bemittelte ja auch gerne ein Ballkind haben möchten und daher generell nicht mehr als 80 Pfennig bezahlt werden soll“, heißt es in einem Aufruf. Die 1960-er Jahre bleiben auch deshalb Jahre des Zuwachses, 1969 spielen sechs Mannschaften in der Verbandsrunde. Deshalb wird schon Mitte des Jahrzehnts auf den Bau eines fünften Platzes gedrängt, der schließlich im Sommer 1970 das erste Mal bespielt werden kann. Die Kosten dafür betragen knapp 20 000 Mark. Der scheidende Präsident Rudolf Seidel gibt seinem Nachfolger Sepp Festner noch eine große Aufgabe mit auf den Weg: Er regt den Neubau des Clubhauses an. Im folgenden Jahr ergeht ein positiver Beschluss der Mitglieder. Es gibt noch eine Verzögerung weil die Stadt damals offenbar eine große Gesamtsportanlage in Empfing hat bauen wollen, doch im Frühjahr 1976 wird das neue Clubhaus bezogen. Der große Andrang stellt den TCT zunehmend aber auch vor Probleme, 1978 müssen sich 323 Mitglieder die fünf Plätze teilen. Im Jahr 1981 verzeichnet der TCT 367 Mitglieder.

1982 folgt Walter Westermeier dem Präsidenten Festner nach. Er setzt die Tradition der starken Damenmannschaften fort, die mit den starken Senioren zwei Jahrzehnte die Aushängeschilder des Clubs sind. Schon 1976 sind die ersten Damen überraschend in die Oberliga aufgestiegen, die damals höchste Spielklasse. Waltraud Loch und Martha Vogl holen in den 1970-er Jahren auf oberbayerischer Ebene Titel und hervorragende Platzierungen. Doch das erfolgreichste Talent des Tennis Club Traunstein ist ein männlicher Spieler. Bereits mit neun Jahren wird Markus Rackl vom oberbayerischen Verband wegen seiner herausragenden Anlagen gefördert. Er gewinnt zahlreiche Jugendmeisterschaften, wächst über den Verein hinaus und schafft den Sprung zu den Profis. Als seine beste Platzierung verzeichnet die ATP Platz 129 am 20.06.1988, er spielt auch jahrelang in der Tennis-Bundesliga. Das erfolgreichste Team des TCT spielt jedoch bei den Damen in der Altersklasse ab 40 Jahren. Die Bilanz aus den vergangenen zehn Jahren: vierfacher deutscher Mannschaftsmeister, elf Mal in zwölf Jahren Titelträger in Bayern. Dahinter ist als Manager der frühere Präsident Walter Westermeier gestanden, nach seinem Tod vertrat die Mannschaft den TCT im Jahr 2010 ein letztes Mal bei der deutschen Meisterschaft. Das Amt des Präsidenten hat nach dem Rückzug Westermeiers Jens Leistikow inne. Der Verein versucht seither der zunehmenden Konkurrenz durch andere Freizeitangebote mit einer intensiven Jugendarbeit entgegenzutreten. Nach Jahren komplett ohne Damenmannschaften spielen nun die früheren Juniorinnen wieder für den TCT in der Punkterunde und die erste Mannschaft in der Bezirksklasse 2 stellen die jungen Spieler, die als erste Generation im Club seit den Jahrgängen 1970 bis 1976 wieder zusammen groß geworden sind.

he